Beschreibung

Goetheanismus in Kunst und Wissenschaft
Stil Michaeli 2022, 44. Jahrgang Heft 3

Es gibt wohl kaum einen Lebensbereich mehr, in dem wir nicht die Verantwortung und Entscheidung, und sei es in der Form von Vorschlägen, an ein besseres und effektiveres technisches System abgegeben haben oder abgeben könnten. Rationalität und kristallin-kühle Intellektualität schieben sich zwischen uns und die Welt, besetzen unseren Herzraum, aus dem heraus ein wahrhaftes Denken und wahrhaftes Handeln möglich ist. Wir sind, bildlich gesprochen, zu einer Art Kopffüßler geworden. Rudolf Steiner bezeichnet diesen Zustand in den Leitsätzen als einen «geistigen Automatismus», in dem der Mensch nur «noch ein Glied ist, nicht mehr er selbst. All sein Denken wird Erlebnis des Kopfes; allein dieser sondert es vom Eigenherzerleben und eignem Willensleben ab und löscht das Eigensein aus.»
Die Entwicklungen aufzuhalten, indem wir uns vom modernen, technisierten Leben zurückziehen, wäre, so Rudolf Steiner, das «Allerfalscheste.» «Das würde», so heißt es im Vortrag vom 28. Dezember 1914, «in gewissem Sinne eine spirituelle Feigheit bedeuten». Wie aber können wir diesen Anforderungen des modernen Lebens begegnen, ohne uns dabei in die transhumanistisch geprägten Denkbilder zu verlieren, vom Technischen aufgesogen zu werden und so schleichend unsere Verantwortung für ein selbst gestaltetes Leben abzugeben?
In der Sektion für Schöne Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen Sektion beschäftigen wir uns intensiv mit diesen Fragen seit 2018 auf Tagungen und fortlaufenden Kolloquien. Ergebnisse hieraus sind in der vorliegenden STIL-Ausgabe zu lesen.

 

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