Beschreibung

Stil Johanni 2021, 43. Jahrgang Heft 2:

Kein Drama hat weltweit eine solche Berühmtheit erlangt, wie Johann Wolfgang von Goethes Tragödie Faust I und II. Es mag erstaunen, dass ein nahezu 200 Jahre altes Drama noch heute die Menschen in aller Welt bewegt, gleich ob sie jung oder alt sind. Zu Lebzeiten Goethes wurde nur der erste Teil des Dramas aufgeführt und veröffentlicht. Den zweiten hatte Goethe versiegelt, weil er nicht mit dem Unverständnis seiner Zeitgenossen konfrontiert werden wollte. Sein visionärer Wurf kann schlicht «ergötzen», wie Goethe einmal sagte, oder auffordern, geistige Schichten zu erforschen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Rudolf Steiner hat mit seinen Forschungen und Anregungen zur Inszenierung von Goethes Faust I und II, der 1936 unter der Regie von Marie Steiner erstmalig ungekürzt am Goetheanum aufgeführt wurde, vielfältigste Zugänge und Verständnisweisen ermöglicht. Galt doch Faust II bis dahin für das Theater als unspielbar.
Den Schwerpunkt dieses Heftes bilden Beiträge, die aus den unterschiedlichsten Perspektiven auf Goethes Faust blicken. Es sind meist umgearbeitete Vorträge, die in den letzten Jahren anlässlich der Faustaufführungen am Goetheanum gehalten wurden. Wir freuen uns sehr, diese Beiträge zusammen mit den eindrucksvollen Bildern von Frederiek Nelissen aus Holland publizieren zu können. Ihre feinfühligen Imaginationen zum Faust eröffnen zu den Betrachtungen einen imaginativen Raum.

Mit diesem Heft möchten wir die aktuelle Inszenierung des Faust am Goetheanum im Juli 2021 würdigen und begleiten.