Beschreibung

Stil Ostern 2021, 43. Jahrgang Heft 1:

Rilkes Leben und Werk sind nahezu paradigmatisch für das Ausloten und Überwinden von Grenzen, bis hin zu einer Lebensform, die man als ein Sich-auf-der-Grenze-Bewegen und zugleich ein auf ihr Halten bezeichnen könnte. Zuletzt ergibt sich gleichsam als Höhepunkt unzähliger Grenzerfahrungen für Rilke die Empfindung des «Ganzen». Die Trennung von Diesseits und Jenseits verliert für ihn seine Geltung. Rilke zeigt uns, dass wir als Menschen dazu befähigt sind, das «Ganze», Leben wie Tod, zu erleben und zu umfassen. Der Weg ins Seelisch-Geistige führt, so wie ihn Rilke geht, jedoch nicht dazu, dass das Irdische abgeworfen oder gar negiert wird. Es wird im Gegenteil in seiner Einzigartigkeit gewürdigt und aufs Neue ergriffen, gleichsam umgeschmolzen und verwandelt. Krankheits- und Todeserfahrungen sind hier die entscheidenden Anstöße, das bisher Gegebene zu verlassen und zu neuen Formen des Welterlebens vorzudringen.

Die vorliegenden Beiträge zu Leben und Werk Rainer Maria Rilkes sind in der Mehrzahl umgearbeitete Vorträge der Tagung «Gesang, wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr», die Ende Februar 2020 am Goetheanum stattfand.