Beschreibung

Goetheanismus in Kunst und Wissenschaft
Stil Weihnachten 2022, 44. Jahrgang Heft 4

 

Die Frage, wie das Neue in die Welt kommt, ist eine, die jeden Menschen innerlich bewegt. In unserer zunehmend durch Technik und Digitalisierung bestimmten Welt stellt sich die Frage nach dem Schöpferischen des Menschen neu. Wenn künstliche Intelligenz für sich in Anspruch nimmt, Kunst machen zu können, so wird die Frage nach der inneren Natur der Schöpfungsprozesse zu einer existenziellen, das tiefste Menschliche betreffenden. Die «Schöpfung aus dem Nichts» ist hier das Zünglein an der Waage, die Menschliches von Maschinellem trennt. Nicht umsonst hat Mephisto in Goethes «Faust» Furcht vor dem Nichts, während Faust ihm kühn antwortet: «In deinem Nichts, hoff’ ich das All zu finden». Die Schwelle des Nichts ist somit die Schwelle zur Sphäre des Geistigen.
Wenn wir alljährlich zu Weihnachten die Geburt des Jesuskindes feiern, so kann in diesem Sinne der berührende Vers aus dem Weihnachtsspruch des «Seelenkalenders» von Rudolf Steiner in seiner tiefen Bedeutung zu uns sprechen: «Ich fühle wie entzaubert, das Geisteskind im Seelenschoß». Damit Neues in die Welt kommen kann, bedarf es einer Berührung mit dem Geistigen, mit dem Kosmos. Die Menschwerdung Gottes ist das größte Urbild einer Schöpfung aus dem Nichts, denn ihr lag keine Notwendigkeit als Ursache zugrunde, aber die Liebe zur Menschheit als freie Tat.
Die Mehrzahl der Beiträge dieses Heftes geht auf die Pfingsttagung der Sektion für Schöne Wissenschaften und Bildende Künste in diesem Jahr zurück, die der Frage nach der «Schöpfung aus dem Nichts» gewidmet war. Sie suchen dem Rätsel der Schöpfung und der Frage des Schöpferischen des Menschen näher zu kommen.

 

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